Dachbegrünung
Ein begrüntes Dach speichert Regenwasser, schützt die Abdichtung vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen und verbessert das Kleinklima. Vor allem auf Flachdächern und flach geneigten Dächern eine sinnvolle Ergänzung.
Bei der Dachbegrünung wird auf die Abdichtung ein Schichtaufbau aus Schutz-, Drän- und Substratschicht gesetzt und bepflanzt. Eine extensive Begrünung kostet meist 30 bis 60 Euro pro Quadratmeter, eine intensive (begehbar) deutlich mehr.
Extensiv oder intensiv?
Extensive Begrünung ist pflegeleicht: niedrige Pflanzen wie Sedum, dünner Aufbau, geringes Gewicht. Ideal fürs Flachdach oder die Garage. Intensive Begrünung ist ein echter Dachgarten mit Rasen, Stauden oder Sträuchern – schwerer, pflegeintensiver und statisch aufwendiger.
Voraussetzungen
Die Abdichtung muss durchwurzelungsfest sein, und die Statik muss das zusätzliche Gewicht tragen. Beides prüft der Fachbetrieb vor dem Aufbau. In vielen Kommunen wird eine Dachbegrünung gefördert oder senkt die Niederschlagswassergebühr.
Der Schichtaufbau im Detail
Ein Gründach besteht aus mehreren Lagen, die jeweils eine Aufgabe haben. Zuunterst liegt die Abdichtung des Dachs, die durchwurzelungsfest sein muss. Darüber folgt ein Wurzelschutz, falls die Abdichtung ihn nicht selbst mitbringt. Eine Schutz- und Speicherlage nimmt Wasser auf, eine Drainschicht führt Überschuss ab, ein Filtervlies hält Feinteile zurück. Obenauf liegt das Substrat, in dem die Pflanzen wurzeln. Jede Schicht ist auf die anderen abgestimmt, deshalb sollten Sie Komplettsysteme eines Herstellers oder Aufbauten nach anerkannten Regelwerken wählen. Gute Betriebe beziehen sich auf die einschlägigen Richtlinien für Dachbegrünung.
Gewicht, Statik und Dachneigung
Ein nasser Gründachaufbau wiegt deutlich mehr als eine Kiesschüttung. Bei einer extensiven Begrünung bleibt das Gewicht moderat, bei intensiver Begrünung steigt es stark. Lassen Sie vor der Planung klären, ob Decke und Tragwerk die zusätzliche Last aufnehmen, auch bei Wasseraufnahme und Schnee. Bei flachen Dächern ist die Entwässerung entscheidend, bei geneigten Dächern braucht der Aufbau Sicherungen gegen Abrutschen. Die zulässige Neigung hängt vom System ab. Fragen Sie, bis zu welcher Neigung der Hersteller den Aufbau freigibt.
Pflanzen und Pflege
- Extensiv: Sedum, Moose, Kräuter und Gräser. Sie vertragen Trockenheit und brauchen wenig Pflege, bilden aber keinen begehbaren Garten.
- Intensiv: Rasen, Stauden, Sträucher, in Einzelfällen Bäume. Sie verlangen mehr Substrathöhe, Bewässerung und Düngung.
- Pflege: Nach dem Aufbau folgt eine Anwuchspflege, damit die Pflanzen sich etablieren. Später reichen bei extensiven Dächern gelegentliche Kontrollen, Entfernen von unerwünschtem Aufwuchs und die Pflege von Abläufen.
Brandschutz und Technik
Für Gründächer gelten Anforderungen an den Brandschutz. Üblich sind Kiesstreifen an Dachrändern, an Wänden und um Durchdringungen, damit sich Feuer nicht ausbreitet. Abläufe, Kontrollschächte und Notüberläufe müssen zugänglich bleiben. Wenn Photovoltaikanlagen vorgesehen sind, muss die Planung Aufständerung, Wartungswege und Abstand zur Bepflanzung berücksichtigen. Die Kombination aus Begrünung und PV ist möglich; die Begrünung kann die Module kühlen, verlangt aber saubere Abstimmung.
Wasser, Gebühren und Vorgaben vor Ort
Ein Gründach hält Regenwasser zurück und gibt es verzögert ab. Das entlastet die Kanalisation. In Gemeinden mit gesplitteter Abwassergebühr kann das die Gebühr für Niederschlagswasser senken. Manche Städte fördern Gründächer oder schreiben sie in Bebauungsplänen vor. Fragen Sie bei Stadt oder Gemeinde nach Regelungen und Förderprogrammen und klären Sie das vor Vertragsabschluss.
Kostenfaktoren und Angebote
- Art der Begrünung, Substrathöhe und Pflanzenauswahl
- Zustand der vorhandenen Abdichtung und mögliche Sanierung vorab
- Zugänglichkeit, Kranbedarf und Materialtransport
- Statische Ertüchtigung, falls erforderlich
- Pflegeleistungen nach der Fertigstellung
Lassen Sie sich Angebote mit klarem Aufbau und Pflegevertrag geben. Fragen Sie nach Gewährleistung auf Abdichtung und Begrünung und nach Referenzprojekten.
Biodiversität, Klima und Alltag
Gründächer bieten Insekten und Vögeln Lebensraum, mindern die Aufheizung im Sommer und verbessern das Mikroklima. Auf Garagen und Nebengebäuden sind sie ein einfacher Einstieg. Im Winter kann die zusätzliche Schicht die Dämmwirkung leicht verbessern, ersetzt aber keine Wärmedämmung. Wer das Dach begrünen will, sollte auch an Zugang zur Wartung, Absturzsicherung und Bewässerung bei langer Trockenheit denken.
Typische Fehler
- Abdichtung nicht durchwurzelungsfest
- Zu wenig Gefälle oder verstopfte Abläufe
- Ungeeignetes Substrat, das Wasser staut oder austrocknet
- Fehlende Kiesstreifen und Brandschutzabstände
- Keine Pflege in der Anwuchsphase
Gründach und Photovoltaik kombinieren
Begrünung und Solarmodule lassen sich auf einem Dach verbinden. Die Pflanzen kühlen die Module durch Verdunstung, die Module schaffen auf dem Dach unterschiedliche Feuchte- und Lichtzonen, die für Vielfalt sorgen. Wichtig ist eine Unterkonstruktion, die über der Begrünung aufgeständert ist, damit Pflanzen nicht die Module verschatten. Planen Sie Wartungswege, Kabelführung und Absturzsicherung gemeinsam, und klären Sie die Statik für die Summe aus Substrat, Wasser und Modulen.
Regenrückhalt und Entwässerung
Ein Gründach nimmt Regenwasser auf und gibt es zeitverzögert ab. Das entlastet die Kanalisation bei Starkregen. Drainageschichten, Rückhalteelemente und Notüberläufe sorgen dafür, dass bei sehr starkem Regen kein Wasser auf dem Dach steht. In manchen Gemeinden wirkt sich Begrünung auf die Gebühren für Niederschlagswasser aus. Fragen Sie bei Ihrer Kommune nach den Regelungen.
Pflegekalender über das Jahr
- Frühjahr: Dachrand, Abläufe und Kiesstreifen kontrollieren, unerwünschte Gehölze entfernen
- Frühsommer: Pflanzen auf Entwicklung prüfen, bei Bedarf düngen
- Hochsommer: Bei langer Trockenheit je nach Pflanzentyp gießen
- Herbst: Laub und Samenflug entfernen, Abläufe reinigen
- Winter: Sichtprüfung nach Sturm und Schneelast
Begehbarkeit und Nutzung
Extensive Begrünungen sind nicht zum Aufenthalt gedacht. Wer das Dach nutzen möchte, braucht eine intensive Begrünung oder eine Dachterrasse mit zusätzlichen Belägen, Geländer und Statik. Prüfen Sie Zugang, Absturzsicherung und mögliche Anforderungen der Bauordnung.
Häufige Fragen
Belastet eine Dachbegrünung die Abdichtung?
Im Gegenteil – sie schützt die Abdichtung vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen und verlängert deren Lebensdauer. Voraussetzung ist eine durchwurzelungsfeste Abdichtung.
Wie viel Pflege braucht ein Gründach?
Eine extensive Begrünung braucht nur ein bis zwei Kontrollgänge im Jahr. Ein intensiver Dachgarten will wie ein normaler Garten gepflegt werden.
Eignet sich ein Steildach für Begrünung?
Ja, bis zu einer vom System freigegebenen Neigung und mit entsprechender Sicherung gegen Abrutschen. Der Fachbetrieb prüft, ob Ihr Dach infrage kommt.
Brauche ich eine Genehmigung für ein Gründach?
Meist nicht, aber Bebauungsplan oder Gestaltungssatzung können Vorgaben enthalten. Fragen Sie vorab bei der Baubehörde.
Zieht ein Gründach Ungeziefer an?
Extensive Begrünungen sind im Allgemeinen unauffällig. Wartung und Pflege verhindern unerwünschten Aufwuchs.
Wie lange hält ein Gründach?
Mit durchwurzelungsfester Abdichtung und Pflege viele Jahrzehnte. Die Haltbarkeit hängt von System und Ausführung ab.
Hält ein Gründach den Dachbelag länger?
Die Begrünung schützt die Abdichtung vor UV-Strahlung und Temperaturschwankungen. Das kann die Lebensdauer verlängern, setzt aber fachgerechte Ausführung voraus.
Wie gehe ich mit Löwenzahn und Gräsern um?
Unerwünschte Pflanzen sollten Sie früh entfernen, bevor Wurzeln die Abdichtung gefährden. Ein Fachbetrieb berät zur richtigen Pflanzenwahl.
Jetzt bis zu 5 Angebote vergleichen
Kostenlos, unverbindlich und in 2 Minuten – von geprüften Dachdecker-Fachbetrieben aus Ihrer Region.
Angebote anfordern →